Underwater ★★★½

Underwater ist ein Film, der vermutlich an vielen Kinogängern einfach vorbeischwimmen wird. Genrefans sollten allerdings aufmerken und möglichweise ein Kinoticket lösen, der Streifen verdient sich meiner Meinung nach einen hellen Punkt auf dem Radar.

Um die größte Stärke gleich im ersten tiefen Sauerstoffzug zu nennen: Kamera-, Regiearbeit und Schnitt sind zu weiten Teilen erstklassig. Der Film verzichtet an vielen Stellen auf nerviges Schnittgewitter - was heute eigentlich üblich ist - und setzt stattdessen auf lange Takes, interessante Perspektiven und schöne Kamerafahrten. Mit Perspektive und Schärfentiefe wird generell viel gespielt und dennoch behält man durch das angenehme Schnitttempo weitestgehend einen Überblick über das Geschehen und eine gute Verortung trotz der vielen Schauplätze.

Kristen Stewart macht einen großartigen Job den Zuschauer mitzuziehen und vermittelt dafür, dass ihre Figur genretypisch wenig Tiefgang hat erstaunlich viel Emotion.

Besonders positiv ist mir außerdem der generelle Look aufgefallen - mit tropfenden Wänden, den Neonlichtern, dem Schweiß, dem Blut und den vielen Szenen in Unterwäsche für mich eine herrliche Referenz an die 80er, die mich sehr begeistert. Ich liebe es, wenn Filme dreckig und schnodderig daherkommen und nicht alles so nervig geleckt und wie aus dem Computer aussieht. Die CGI- Effekte dagegen sind zwar meistens auf hohem Niveau, in der ein oder anderen Szene hätte ich mir aber gewünscht, dass die Geschehnisse weiterhin mehr im Versteckten passieren, wie in der ersten Hälfte. Es war gar nicht nötig, nach hinten heraus noch mehr zu zeigen.

So ist Underwater ein Film, der genau weiß, was er ist und was er möchte. Die Nähen zu seinen Unterwasser-Vettern wie Abyss oder vor allem Leviathan sind vollkommen eindeutig, aber als fantastisch aussehender Spannungstrip in klaustrophobisch beengtem Raum funktioniert der Streifen hier ganz hervorragend und braucht sich vor keinem Verwandten zu verstecken.

Die Kerngeschichte ist zugegebenermaßen nichts besonderes, allerdings gibt es viele kleine Szenen und Entscheidungen, die Würze und Frische in die Tiefsee bringen und für angenehme Schmunzler oder Gänsehaut sorgen. Ebenfalls toll, dass der Erklärbär an Land bleibt und man sich als Zuschauer einiges selber denken und überlegen kann.

Der Humor einer bestimmten Figur ist leider eher auf der negativen Seite angesiedelt und oft zu viel des Guten bis zur Grenze der Nervigkeit. Weniger wäre an der Stelle mehr gewesen. Obwohl auch das Erinnerungen an die 80er weckt.

Ich bin mit wenig Erwartung ins Kino gegangen und wurde sehr positiv überrascht. Underwater ist ein toller Film für Genrefans, der zwar ein paar Makel hat, einen auch in ein oder zwei Szenen verlieren mag, sich die Aufmerksamkeit aber immer wieder fleißig und ideenreich zurück-erkämpft und bis auf ein diskussionswürdiges Ende und manchmal unpassenden Humor eine fast runde Vorstellung abliefert, ohne dabei den Innovationspreis gewinnen zu wollen. Viele Worte für: Verdammt, ich mag das Ding einfach!

7/10 und ein dickes Herz

Udo liked these reviews