Nope

Nope ★★★★

<ENGLISH VERSION BELOW>

An und für sich, funktionieren Genremixturen äußerst gut. Ein Hauch Komödie, etwas Action, oder gar eine Brise Drama: Die Vermischung von Genres kann für mehr als Belanglosigkeit stehen. Ist diese Art der Inszenierungen also mehr ein Trend, welchen die heutigen Studios nutzen, um allerlei Ideen wahllos in einen Film zu pressen, oder eine Form, die Kunst der Genres auf ein breitgefächertes Spektrum zu übertragen? Im Grunde belassen es die Filme bei einer Botschaft, oder dem Vollzug des Finales, doch Nope? Was will dieser Film überhaupt von den Zuschauern?

Will man also die Bedeutung dieses Werks herauskristallisieren, könne man den Titel auf die Gleichgültigkeit des Zuschauers gegenüber künstlerischer Verfilmungen und Visualisierungen von Ideen beziehen. Doch wäre dieser Anhaltspunkt nicht ein weiteres Bindeglied zu weiterem Meckern auf hohem Niveau? Filme müssten doch aus weit zugänglicheren Gründen gut aufnehmbar sein, als das man andere Meinungen exzessiv mit Unverständnis untergräbt. Der Film antwortet mit seinem Titel: "Nope". Manchmal benötigt ein durchdachter Film keinen komplexen Titel, denn anhand einiger Beispiele verhilft der simple Titel zu einer gewissen Direktheit, so wie es innerhalb dieses Films die Nichtigkeit darstellt, Unwissenheit, aber auch Belanglosigkeit mit der Vergebung des Titels zu beantworten. Sowohl als Insider, als auch als progressiver Apell ruft Nope nach Persönlichkeit.

Inwiefern das erste Drittel des Films das Horrorgenre parodiert

Jordan Peele verleitet den Zuschauer am Anfang des Films zu falschem Wissen. Die Tatsache, dass die Merkmale des Horrorgenres zu Beginn in Form von läppischen Jumpscares, nicht mehr als Verwirrungen darstellen, ist dahingehend der faszinierende Aspekt. Alle Komponenten zu verschreckender Spannungserzeugung setzen ein. Sowohl ein düsterer Soundtrack, als auch die gesamte Atmosphäre innerhalb eines nächtlichen Ambientes sorgen für das stereotypische Spannungsbild, an welchem der Film ködert. Die Auflösungen dieser Situationen können somit gleichwohl für Erschrecken, als auch für ertapptes Bewusstsein, sorgen. Die Kunst des zu Beginn erwähnten Genremix liegt somit in einer zeitbasierten Variabilität.
Die Kombination aus Ernsthaftigkeit und Humor funktioniert zu Beginn des Films aufgrund dieser banalen Art und Weise geballte Vorstellungen vom Film zu zentrieren, um das bewährte Schema im Mittelteil aufzulösen. Die Randprämisse der Mixtur bleibt bestehen, jedoch in einem anderen Gewand. Die folgende dialogbasierte Auseinandersetzung mit Figurenmerkmalen, die sich in den humoristischen Unterhaltungen widerspiegeln, differenziert sich als Nachfolge der namenslosen Jumpscares von der ernsten Seite des Films.
Genau wie sich dieser Wandel auf dem Papier anhört, visualisiert der Film zwar eine Parodie, aber gleichzeitig ebenso eine bodenständige, ernste Handlung - Eine Trennung zwischen den Figuren und der eigentlichen Prämisse.

Die Unterteilung in Kapitel

Eine Stärke, aber gleichzeitig auch eine Schwäche des Films ist seine stetige Kategorisierung im Verlauf der Handlung. Der Film weist eine klare Handlung auf und beschäftigt sich mit Vorbereitungen und Figuren, die erst aufeinander treffen müssen um zusammenzuarbeiten. Das, was die Handlung abstrakt erscheinen lässt, ist die wahllos erscheinende Unterteilung der Kapitel.
-Die Schwächen einer Unterteilung innerhalb dieses Index-
Eine nachhaltige Erinnerung an die gegebene Definition der Kapitel innerhalb des Films, Abschnitte je nach Pferd/Person, ist nur eingeschränkt möglich. Der Film plädiert regelrecht auf eine allgemeine Kohärenz, doch die Tatsache, dass der Inhalt der Kapitel im Vorherein lediglich angeschnitten wird, sorgt für ein Bewusstsein im Nachhinein. Die ersten Kapitel tragen somit kaum Relevanz, während letztere nachhaltiger in Erinnerung bleiben, denn dafür ist die Handlung im späteren Verlauf weitaus gefestigter.
-Die Stärken einer Unterteilung innerhalb dieses Index-
Eine klare Struktur sorgt selbsterklärend für Überblick. Daraus resultiert ein eindringlicheres Bewusstsein für die eigentliche Handlung und gerade im Bezug auf die klar erkennbaren Kapitel nutzt der Film die Möglichkeiten einer verzweigten Handlungen in vollem Maße. Plump gesagt, kooperieren die Kapitel mit den Wechseln der Stilmittel und verdeutlichen, ab wann ein gewählter Aspekt am wichtigsten ist.

Die elegante Figurenchemie und die Gefühlskälte des Protagonisten

Im Bezug auf die Dialoge, lassen sich die neu gesponnenen Beziehungen als durchaus charmant betiteln und auch die Intentionen sind klar erkennbar. Während das Vertrauen der Schwester in ihren Bruder unerschütterlich erscheint, verschließt sich die Option der ewigen Hinterfragung nach der Wahrheit, um sich vollends auf die Handlung zu fokussieren und diese zu stützen. Die Tatsache, dass die beiden Geschwister planen, ihre Entdeckung als Dokumentation zu veröffentlichen, ist nicht nur ungewöhnlich, sondern auch ein gewisser Draht zur Komplexität von Kameraarbeit. Die übrigen Figuren stellen gewissermaßen "Hilfsmittel" für die Protagonisten dar, sind jedoch auch charmant inszeniert.
Der Hauptprotagonist erscheint während der ganzen Laufzeit gefühlskalt und scheint, im Gegensatz zu seiner Schwester, den Schicksalsschlag noch nicht vollends verkraftet zu haben, doch genau das ist der Punkt. Der Zuschauer lernt dadurch viel mehr über seine Figur, als wenn eine Auserzählung eine plumpe Hintergrundgeschichte hervorgebracht hätte.

Der Umgang mit der Alien-Prämisse - mysteriöse Natura

Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Antagonisten in der Filmlandschaft mysteriös dargestellt werden. Gerade wenn es sich bei diesen um abweichende, mysteriöse Vorstellungen handelt, ist die Auflösung dahinter der Aspekt auf den der Film häufig hinarbeitet. Nope ist dahingehend nahezu komplett anders. Der Film forciert viel mehr die Figuren, die Inszenierung und den eigentlichen Weg zur Bekämpfung des Antagonisten. Es spielt einfach keine Rolle, den mysteriösen Aspekt aufzulösen, denn dafür gibt es andere Filme; Filme, die es sich nicht zur Aufgabe gemacht haben, eine Wolke gefährlich darzustellen, Pferde als Schlüsselfiguren zu deklarieren und einen Genremix der anderen Sorte zu erzählen.

Die Kombination aus Horror und Science Fiction - Der Twist als Auslöser

Die Komödie, bestehend aus häufig dialogbasierten Witzen, die sich in Form von Insidern, oder Komplikationen auf möglichst skurrile Art ausdehnen können und das Drama, ein Genre des Films, dass es sich zur Aufgabe macht, Figuren und deren Beziehungen zueinander möglichst tragisch aufzulösen. Zusammen bilden diese beiden Genres die Tragikomödie, eine Mischform, welche die prägnantesten Aspekte beider Formen (Genres) kombiniert. Dieser Film nutzt seinen Twist als Auslöser für eine Mischform aus Horror und Science Fiction und erneuert diese bewährte Form in etwas vollkommen anderes. Einerseits nutzt der Film klare Science Fiction - Aspekte, wie die Alien-Prämisse (allgemein), oder die Tatsache, dass die Technologie, oder Gründe nicht erläutert werden. Andererseits ist das Auswirken des Antagonisten in vollen Zügen der Horroraspekt, gerade in Form der deutlichen Verwendung von Blut und der Umgang mit gegebenen Lösungen.

Die Abstraktion hinter der Kameraarbeit

Ein Film, dem es gelingt, seine Intention so undeutlich darzulegen ,dass folgende spektakuläre Interpretationsmöglichkeiten offen liegen, ist der eine große Inhaltsaspekt des Films, doch tatsächlich fasziniert ebenso die Kamera mit ihrer situativen Abhängigkeit. Die Kameraarbeit legt sich nicht auf eine Art zu filmen fest, sondern variiert gleichzeitig, um Ruhe und Imposanz strukturiert zu trennen. Während der Soundtrack die Szenerie, ohne etwas aussetzbares hervorzubringen, untermauert, brilliert die Kameraarbeit alleine durch die Tatsache das der Film bereits in seiner Optik wertig erscheint. Eine künstlerische Kameraarbeit zeichnet sich vor allem durch die Präsentation der Sequenzen und die Nutzung verschiedener Perspektiven aus.

Die unglaubliche Bildsprache des Finales und eine Frage des Pacings

So pompös das Finale auch erscheinen mag, die ausschlaggebende Stärke des Finales liegt im absoluten Finale. Nachdem der Kampf, zwar unerklärt ein wenig ungewöhnlich erscheint, nutzt der Film die beiden Geschwister zur Bekämpfung des Feindes.
Hier greift erneut die Frage, ob der Antagonist des Films wirklich der Feind des Films ist. Die Nahrungssuche der Tiere stellt für den Menschen dann kein Problem dar, wenn er nicht direkt davon betroffen ist. Im Fall von Nope, ist der Mensch definitiv betroffen, auch wenn man sich glücklicherweise nicht darauf festlegen kann, was der Antagonist eigentlich ist. Natürlich muss diese Bedrohung bekämpft werden, was der Film eben auch anpeilt, doch inwiefern die Vorbereitung darauf inszeniert ist und wie das Finale mithilfe der Bildsprache antwortet, ist wahrhaftig gekonnt gelöst.
Das Ende des Films stellt den Antagonisten vor eine Entscheidung zwischen den Geschwistern, die sich beide jeweils opfern wollen. Dahingehend greift die Entwicklung des Films: Der Bruder, welcher den Schicksalsschlag immer noch nicht verkraftet hat und die Schwester, welche die Willenskraft ihres Bruders, nach der Vorbereitung, erkannte. Auf gewisser Weise zog ihr Bruder sie damit hinein, weshalb sie aus fast dem selben Grund den Kampf beenden möchte.
Das Ende des Films hat mit einem zu hohen Pacing zu kämpfen. Die geöffneten Handlungsstränge werden zwar alle stringent verknüpft und auch die Metapher des ersten Films funktioniert absolut klasse und dennoch ist das Pacing am Ende so hoch, dass das Ende abrupt erscheint.

Der Affe

Letztendlich bleibt lediglich die Frage nach dem Affen, der scheinbar entgegen seiner Natur handelte. Viel mehr spielt dahingehend jedoch der Schuh eine Rolle, denn dieser lenkt den Jungen insoweit ab, dass die prekäre Situation beinahe vergessen wird.
Dieser Abschnitt des Films bietet sicherlich viele Interpretationsmöglichkeiten, aber der scheinbar frühe Kontakt einer recht wichtigen Figur mit einem Alien, ist auch als Wink zu verstehen, der sich auf eine unnötige Dringlichkeit im Bezug auf den Hintergrund bezieht.

Insgesamt ist Nope ein unglaublich faszinierender und technisch grandioser Film, der viel Freiraum für Interpretationsmöglichkeiten lässt.

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ENGLISH VERSION

In and of itself, genre mixes work extremely well. A touch of comedy, some action, or even a breeze of drama: the mixing of genres can stand for more than triviality. So is this kind of production more of a trend that today's studios use to squeeze all kinds of ideas randomly into a film, or a way of applying the art of genres to a broad spectrum? Basically, the films leave it at a message, or the consummation of the finale, but Nope? What does this film want from the audience anyway?

So if one wants to crystallise the meaning of this work, one could relate the title to the viewer's indifference to artistic film adaptations and visualisations of ideas. But wouldn't this clue be another link to further grumbling at a high level? Films should be well received for far more accessible reasons than excessively undermining other opinions with incomprehension. The film answers with its title: "Nope". Sometimes a thoughtful film doesn't need a complex title, because based on a few examples, the simple title helps to be direct, just as within this film it represents the nothingness of answering ignorance, as well as triviality, with the forgiveness of the title. Both as an insider and as a progressive apell, Nope calls for personality.

To what extent the first third of the film parodies the horror genre.

Jordan Peele misleads the viewer at the beginning of the film. The fact that the features of the horror genre at the beginning in the form of ludicrous jumpscares, are nothing more than confusions, is the fascinating aspect in this respect. All the components for frightening suspense generation kick in. Both a gloomy soundtrack and the entire atmosphere within a nocturnal ambience provide the stereotypical suspense image on which the film lures. The resolutions of these situations can thus provide both fright and caught awareness. The art of the genre mix mentioned at the beginning thus lies in a time-based variability.
The combination of seriousness and humour works at the beginning of the film because of this banal way of centring concentrated ideas of the film in order to dissolve the proven scheme in the middle section. The marginal premise of the mixture remains, but in a different guise. The ensuing dialogue-based exploration of character traits, reflected in the humorous conversations, differentiates itself from the serious side of the film as a follow-up to the nameless jumpscares.
Just as this change sounds on paper, the film visualises a parody, but at the same time equally a down-to-earth, serious plot - A disconnect between the characters and the actual premise.

The division into chapters

A strength, but at the same time a weakness of the film is its constant categorisation as the plot unfolds. The film has a clear plot and deals with preparations and characters who must first meet in order to work together. What makes the plot seem abstract is the seemingly indiscriminate subdivision of the chapters.
-The weaknesses of a subdivision within this index-.
Sustained memory of the given definition of chapters within the film, sections according to horse/person, is limited. The film really pleads for a general coherence, but the fact that the content of the chapters is merely alluded to in advance ensures an awareness in retrospect. The first chapters thus carry little relevance, while the latter are more lastingly remembered because the plot is far more consolidated for it later on.
-The strengths of a subdivision within this index-.
A clear structure provides a self-explanatory overview. This results in a more forceful awareness of the actual plot and it is in relation to the clearly recognisable chapters that the film makes full use of the possibilities of a branching plot. Plainly put, the chapters cooperate with the changes in stylistic devices and clarify from when a chosen aspect is most important.

The elegant character chemistry and the protagonist's callousness.

In terms of dialogue, the newly spun relationships can be described as thoroughly charming and the intentions are also clearly discernible. While the sister's trust in her brother seems unshakeable, the option of eternal questioning for the truth closes itself off to fully focus on and support the plot. The fact that the two siblings plan to publish their discovery as a documentary is not only unusual, but also a certain link to the complexity of camera work. The other characters are in a sense "aids" to the protagonists, but they are also charmingly staged.
The main protagonist appears emotionally cold throughout the running time and, unlike his sister, seems not to have fully come to terms with the blow of fate, but that is precisely the point. The audience learns much more about his character as a result than if a recounting had produced a clumsy backstory.

Dealing with the Alien Premise - Mysterious Natura.

It is not uncommon for antagonists to be portrayed mysteriously in the film landscape. Especially when these are deviant, mysterious notions, the resolution behind them is the aspect the film often works towards. Nope is almost completely different in that respect. The film pushes much more on the characters, the staging and the actual way to fight the antagonist. It simply doesn't matter to resolve the mystery aspect, because there are other films for that; films that don't make it their business to portray a cloud dangerously, declare horses as key characters and tell a genre mix of a different sort.

The combination of horror and science fiction - the twist as the trigger

The comedy, consisting of often dialogue-based jokes that can take the form of insiders, or complications in the most bizarre way possible, and the drama, a genre of film that makes it its business to resolve characters and their relationships to each other in the most tragic way possible. Together, these two genres form the tragicomedy, a hybrid that combines the most succinct aspects of both forms (genres). This film uses its twist as a trigger for a hybrid of horror and science fiction and renews this established form into something completely different. On the one hand, the film uses clear science fiction aspects, such as the alien premise (in general), or the fact that the technology, or reasons, are not explained. On the other hand, the antagonist's acting out to the fullest is the horror aspect, especially in the form of the clear use of blood and the handling of given solutions.

The abstraction behind the camera work

A film that succeeds in making its intention so unclear ,that the following spectacular possibilities of interpretation are open, is the one major aspect of the film's content, but in fact the camera is equally fascinating with its situational dependence. The camerawork does not commit itself to one way of filming, but varies at the same time to separate calm and imposing in a structured way. While the soundtrack underpins the scenery without producing anything exposable, the camerawork shines solely through the fact that the film already appears valuable in its visuals. Artistic camerawork is characterised above all by the presentation of the sequences and the use of different perspectives.

The incredible visual language of the finale and a question of pacing

As pompous as the finale may seem, the crucial strength of the finale lies in the absolute finale. After the fight, while unexplained seems a little unusual, the film uses the two siblings to fight the enemy.
Here the question of whether the antagonist of the film is really the enemy of the film comes into play again. The animals' search for food is not a problem for humans if they are not directly affected by it. In the case of Nope, humans are definitely affected, though fortunately one cannot pin down what the antagonist actually is. Of course, this threat has to be fought, which is what the film is aiming at, but how the preparation for it is staged and how the finale responds with the help of the visual language is truly skilfully solved.
The end of the film presents the antagonist with a decision between the siblings, who both want to sacrifice themselves. This is where the development of the film takes hold: the brother, who has still not come to terms with the blow of fate, and the sister, who realised her brother's willpower after the preparation. In a way, her brother dragged her into it, which is why she wants to end the fight for almost the same reason.
The end of the film struggles with too much pacing. The opened plot lines are all stringently linked and the metaphor of the first film works absolutely great and yet the pacing at the end is so high that the ending seems abrupt.

The Monkey

In the end, all that remains is the question of the ape, who apparently acted against his nature. However, the shoe plays a much more important role in this, because it distracts the boy to such an extent that the precarious situation is almost forgotten.
This section of the film certainly offers many possibilities for interpretation, but the seemingly early contact of a rather important character with an alien, can also be taken as a nod to an unnecessary urgency in terms of background.

Overall, Nope is an incredibly fascinating and technically terrific film that leaves a lot of room for interpretation.

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